Faustball

Während die meisten modernen Ballsportarten ihren Ursprung im 19. Jahrhundert haben, ist Faustball vermutlich schon im dritten Jahrhundert vor Christus entstanden. Erstmals erwähnt wurde das Spiel im dritten Jahrhundert nach Christus vom römischen Kaiser Gordianus. Allerdings ist Faustball nicht bloß eine historische Sportart, sondern wird heute noch immer gespielt. So ist Deutschland sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen amtierender Weltmeister. Nicht nur aus diesen Gründen lohnt sich ein genauerer Blick auf die Sportart.

Faustball

Die Regeln

Auf den ersten Blick ähnelt Faustball sehr dem Volleyball. Beide Sportarten sind Rückschlagspiele und zwei Mannschaften stehen sich auf zwei Halbfeldern gegenüber. Getrennt werden beide durch ein Netz oder Band. Dieses hat allerdings beim Faustball mit 2 Metern bei den Männern und 1,90 Meter bei den Frauen keine so hohe Position wie beim Volleyball. Außerdem ist das Faustballfeld mit 50 mal 20 Meter draußen und 40 mal 20 Meter in der Halle etwas größer als beim Volleyball. Außerdem befinden sich pro Mannschaft nur fünf Spieler auf dem Feld anstatt sechs wie beim Volleyball.
Ähnlich wie beim Volleyball wird auch der Faustball über das Netz hin und her gespielt. Ebenso dürfen drei Spieler den Ball berühren, ehe er wieder zur anderen Mannschaft gespielt wird. Allerdings darf der Ball beim Faustball einmal den Boden berühren, bevor ein Spieler ihn berührt. Wenn der Ball öfters den Boden berührt oder nicht ins gegnerische Feld zurückgespielt wird, bekommt die andere Mannschaft einen Punkt. Der hauptsächliche Unterschied zum Volleyball ist dabei, wie der Ball berührt wird. Beim Faustball darf der Ball nur mit der Faust oder dem Arm gespielt werden und nicht mit der flachen Hand.
Faustball wird in Sätzen gespielt. Ein Satz gilt als gewonnen, wenn eine Mannschaft mindestens elf Punkte hat sowie mit mindestens zwei Punkten Abstand führt. Wie viele Sätze zum Sieg reichen, hängt vom Wettkampf ab. In der ersten Bundesliga der Männer sind es fünf, bei den Damen drei. Außerdem kann Faustball sowohl draußen als auch in der Halle gespielt werden.

 

Geschichte des Faustballs

Im Jahre 1555 verfasste der Italiener Antonio Scaino zum ersten Mal ein Regelwerk für Faustball. Das erste deutsche Regelwerk stammt aus dem Jahre 1894 und sollte einen Wettkampfbetrieb des Sports ermöglichen, der bis dahin eher als Freizeitsport und als Ausgleich zum Turnen galt. Dieses Vorhaben schien zu gelingen, denn 1913 kam es im Rahmen des Deutschen Turnfestes in Leipzig zur ersten Deutschen Meisterschaft der Männer. Hierbei ging LLB Frankfurt als erster Deutscher Meister vom Feld. Ab 1921 gab es dann auch Deutsche Meisterschaften für Frauen. Bei diesen errang die Hamburger Turnerschaft den ersten Titel als Deutsche Meister. Weltmeisterschaften werden bei den Männern hingegen erst seit 1968 und bei den Frauen seit 1994 ausgetragen.

 

Die Bedeutung des Faustballs heute

Obwohl es seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts eine Deutsche Meisterschaft im Faustball gab, hatte dieser Sport weiterhin eine enge Verbindung zum Turnen. Es ist umstritten, ob dies ein Grund dafür war, dass Faustball nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung verlor. Andere Sportarten wie Fußball, Basketball und Volleyball sind heutzutage bekannter. Außerdem ist Faustball ein reiner Amateursport. Trotzdem wurde im Jahre 2004 die Deutsche Faustball-Liga gegründet, die jedoch weiterhin im Deutschen Turnerbund organisiert ist. Die erste Bundesliga ist dabei in eine Nord- und Südstaffel aufgeteilt. Die drei besten jeder Staffel spielen anschließend die Deutsche Meisterschaft unter sich aus. Dieser Modus wird pro Jahr jeweils einmal in der Halle und einmal im Freien ausgetragen.
Bei den Männern wurde seit 2018 jedes Jahr der TSV Pfungstadt Deutscher Meister auf dem Feld. In der Halle gewannen die Hessen alle Titel seit 2019. Bei den Frauen gewann im Jahre 2021 Jahn Schneverdingen aus Niedersachsen die Deutsche Meisterschaft im Freien und in der Halle.

 

Faustball auf der Welt

Auch wenn der Faustball ursprünglich aus Südeuropa stammt, hat er zu Beginn des 20. Jahrhunderts in kaum einem Land eine so hohe Bedeutung wie in Deutschland erfahren. Von Deutschland aus brachten Auswanderer den Faustball auch auf andere Kontinente wie Afrika oder Südamerika. Aus diesem Grund ist Faustball heute in Brasilien sehr beliebt. Neben Deutschland, Österreich, der Schweiz und der DDR ist Brasilien das einzige Land, welches jemals eine Medaille bei Faustballweltmeisterschaften der Männer oder der Frauen gewinnen konnte. Das dominierende Land auf der Welt stellt jedoch als amtierender Welt- und Europameister Deutschland dar. Weil Faustball keine olympische Sportart darstellt, ist sie Teil der World Games. Auch hier siegte Deutschland 2022 sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Außerdem gewinnen deutsche Vereine regelmäßig internationale Vereinsmeisterschaften.

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